UHER-Erinnerungen von Anselm Rapp
🎙 „Das Band läuft“ – Die Geschichte von Jonas und dem UHER 4000 Report
Jonas war 17, Lehrling im zweiten Jahr der Radio- und Fernsehtechnik in einem kleinen Betrieb in Oldenburg. Während andere Jungs von Mopeds oder Gitarren träumten, hatte Jonas nur ein Ziel: das UHER 4000 Report ein Tonbandgerät, das für ihn mehr war als nur Technik. Es war ein Symbol für Präzision, Klangtreue und die Magie des Moments.
Jedes Mal, wenn sein Ausbilder Herr Krüger eines der Geräte zur Reparatur auf die Werkbank legte, leuchteten Jonas’ Augen. Die silberne Frontplatte, die robusten Tasten, das sanfte Surren der Spulen – das UHER war für ihn wie ein mechanisches Gedicht.
Doch der Preis war hoch: 798 D-Mark – fast ein halbes Lehrlingsgehalt für ein ganzes Jahr. Jonas wusste, dass er verzichten musste. Keine Cola in der Pause, kein Kino am Wochenende, keine neuen Turnschuhe. Stattdessen: Nebenjobs. Er trug Zeitungen aus, half samstags im Elektrogeschäft seines Onkels und reparierte alte Radios für Nachbarn gegen ein paar Mark.
Sein Zimmer verwandelte sich in eine kleine Werkstatt. Überall lagen Spulen, Lötkolben, Kondensatoren. An der Wand hing ein selbstgemaltes Poster des UHER 4000 – darunter ein Zettel mit dem Countdown: „Noch 112 Tage“.
Im Frühjahr 1963 war es endlich so weit. Jonas stand vor dem Schaufenster von „Radio Wendt“, das Gerät glänzte hinter der Scheibe wie ein Schatz. Mit zitternden Händen legte er die gesparten Scheine auf den Tresen. Der Verkäufer lächelte: „Na, das ist wohl Liebe auf den ersten Ton.“
Zuhause schloss Jonas das Gerät an, legte eine frische Spule ein und drückte „Record“. Die ersten Klänge waren das Zwitschern der Vögel vor seinem Fenster, gefolgt von seiner eigenen Stimme: „Testaufnahme. Jonas. UHER 4000. Mein Traumgerät.“
🌀 Epilog
Jahre später wurde Jonas selbst Ausbilder. Und jedes Mal, wenn ein Lehrling das erste Mal ein Tonbandgerät in der Hand hielt, erzählte er die Geschichte vom Jungen, der ein Jahr lang für ein UHER sparte – und dabei lernte, dass wahre Leidenschaft nicht in der Technik liegt, sondern in dem, was man bereit ist dafür zu geben.
Peter Remmers