Die Uher-Ecke

Vor geraumer Zeit schon habe ich das Norddeutsche Museum für HiFi- und Studiotechnik e.V. in den Infos meiner UHER-Erinnerungen verlinkt. Berichtet habe ich noch nichts, dabei gibt es dort eine

Uher-Ecke

Zitat der Museums-Website: „Die Uher-Ecke ist Geräten der Marke Uher gewidmet. Dabei handelt es sich überwiegend um Tonbandgeräte unterschiedlichster Typen. Aber auch nicht ganz alltägliche Geräte sind zu sehen. In dieser Saison liegt ein Schwerpunkt auf der synchronen Vertonung mittels Tonbandgeräten von Bildwiedergabe mittels Dia- und Filmprojektoren.“

Hier ist sie zu sehen (an Oma und Revox vorbeiscrollen): Die Uher-Ecke. Mich versetzt sie ein halbes Jahrhundert zurück.

Das Museum befindet sich in 31319 Sehnde, OT Wehmingen, Am Straßenbahnmuseum 2 (Öffnungszeiten beachten). Leider ziemlich weit für einen alten Mann in München.

Betrieben wird das Museum von Hifi-Fans. Mit einem von ihnen, UHER-Fan und Mitglied des Bandmaschinenforums wie ich, bin ich befreundet; wir haben uns sogar schon persönlich getroffen.

Ich habe schon so viel über das Museum gehört und gelesen, dass ich UHER- und HiFi-Fans den Besuch unbedingt empfehlen kann.

Anfahrt laut Museum: Das Norddeutschen Museums für HiFi- und Studiotechnik befindet sich auf dem Gelände des Hannoverschen Straßenbahn-Museums (Anfahrtsbeschreibung), Am Straßenbahnmuseum 2, 31319 Sehnde, OT Wehmingen. Mit der straßenbahnmuseumseigenen Tram Fahrtlinie Rundkurs erreichen Sie die Haltestelle Hohenfels Süd direkt vor der Halle 26 (vormals Halle 40). Über den westlichen / linken Eingang gelangen Sie in die Museumsräume im ersten Obergeschoss. Leider sind wir noch nicht barrierefrei. (Für mich damit leider ungeeignet.)

Kleine Sensation oder großer Schrott?

Am 3. April 2026 wurde ich in der Facebook-Gruppe UHER Tonbandgeräte (die hauptsächlich ich administriere) auf ein YouTube-Video mit dem Titel „Der Audio-Krieg: Warum Sennheiser die Welt eroberte und Uher in der Ruine endete“ aufmerksam gemacht:

Auf den ersten Blick war ich sehr angetan: 2026 etwas über UHER. Und „Des Öfteren erwähnt wird auch unser Admin Anselm Rapp“, hatte der Verfasser geschrieben. Doppelt interessant.

Beim Betrachten des eineinviertel Stunden langen (öffentlich zugänglichen) Videos folgte die erste Ernüchterung: Die hinterlegten Bilder passen fast nie zum gesprochenen Text. Nachdem ich beides vollständig angesehen und -gehört hatte, war ich teils informiert, mehr aber noch verwirrt. Um alles besser zu verstehen, habe ich – was jeder YouTube-Nutzer selbst tun kann* – das Transkript heruntergeladen.

Im geschriebenen Text kann man Sinn und leider auch Unsinn leichter erkennen. UHER wird als UR-R, UA, Uha sowie als Uhrwerke wiedergegeben. Ich selbst heiße durchgehend Anselm Rab. Vieles vom Inhalt ist der UHER-Geschichte, dem Wikipedia-Artikel über UHER und meinen UHER-Erinnerungen (auch Fotos) entnommen und alles – wohl nach dem Zufallsprinzip – mit Bildern versehen. Zum übrigen Inhalt zitiere ich:

„Das Gebäude an der Barmseestraße in München Obersling [!] steht auch noch. Sieben Stockwerke, Backsteinschwer am Ende einer Sackgasse. Man fährt daran vorbei und weiß vielleicht nicht, was hier einmal war. Nicht die Druckgussgehäuse, nicht die Permaluköpfe, nicht die 1800 Leben, die durch dieses Tor gingen. Jahr für Jahr, ein Viertel Jahrhundert lang. Was bleibt, ist das Gebäude und die Stille darin, wo die Arbeit war.“

Mein Kommentar: Das Gebäude an der Barmseestraße hat drei Stockwerke und ist kein Backsteinbau. (Zum gesprochenen Text wird das Backsteingebäude der Münchener Augustinerbrauerei in der Landsberger Straße gezeigt.) UHER hat es 1961 erbaut und war bis 1980 darin. Nach UHER zogen andere, kleinere Firmen ein. Etliche Jahre war ein Polizeirevier darin untergebracht. Von Stille keine Rede. Und so stimmt halt etliches nicht.

Auf das Video habe ich auch im Bandmaschinenforum aufmerksam gemacht. Dort wurde bald der Verdacht geäußert, dass das Video ein KI-Produkt ist, und dafür spricht tatsächlich viel.

Bei den Herausgebern der Videos kann man sehen, dass das Video über UHER und Sennheiser keineswegs das einzige dieser Art ist.

Mein Resümee: Eine Laudatio für Sennheiser, ein Verriss des UHER-Managements. UHER war beileibe nicht der einzige Unterhaltungselektronik-Hersteller, der die 1980er Jahre nicht überlebte. Schon der reißerische Titel „Der Audio-Krieg: Warum Sennheiser die Welt eroberte und Uher in der Ruine endete“ spricht für – oder richtiger: gegen sich.

Last not least: Es heißt das Report und nicht der Report.

* YouTube: Untertitel-Download – so geht’s, Heise online, 8. April 2024