Herbst bei UHER

„Die Blätter fallen, fallen wie von weit“, dichtete Rainer Maria Rilke in seinem Gedicht „Herbst“ und meinte damit die Blätter am Baum des Lebens. Vom Tod einiger Kolleginnen und Kollegen habe ich erfahren, seit ich UHER 1980 verließ, von vermutlich vielen nicht. Aber von zweien, die mir besonders ans Herz gewachsen waren.

Peter H.


Am 18. Mai 2023 schon blieb die Lebensuhr von Peter H. stehen. Meine Gedanken gehen zurück zu unserer gemeinsamen Zeit bei UHER. Er war ein stiller und bescheidener, zugleich sehr fleißiger und kompetenter Mitarbeiter.

Denke ich an ihn, kommt mir unwillkürlich seine Kollegin Renate K. in den Sinn, die wusste, dass er sehr kitzlig war, sich immer wieder mal an ihn anschlich und unvermutet kitzelte. Peter H. hüpfte in seinem Stuhl hoch und Renate K. lachte.

Ein privates Bindeglied zwischen Peter H. und mir waren die „Enten“, kein Geflügel, sondern die Autos Citroën 2CV. Ich fuhr eine, er auch, und ebenfalls sein Freund CCM V. (CCM ist die Abkürzung von Citroën-Club-Mitglied, das ich auch war). Einmal, erinnere ich mich, haben Peter H., sein Freund und ich mit meiner Familie an einer „Enten-Rallye“ teilgenommen. Der Parcours führte über einen Steinbruch. Peter H. hängte sich abenteuerlich aus der „Ente“ seines Freundes, um die Bodenfreiheit zu kontrollieren.

Als es mit dem UHER-Hauptwerk zu Ende ging, wurde Peter H. mein Nachfolger als Fertigungsleiter des UHER Report. Ich bedauerte ihn, weil er technisch gut, aber in die Führungsaufgaben nicht eingearbeitet war. Lange ging es ohnehin nicht mehr, und unsere Wege trennten sich, meiner zu Siemens und seiner in ein Max-Planck-Institut.

Wir hatten keinen häufigen Kontakt mehr, aber doch immer wieder. Unvergesslich ein Treffen 2018 mit Peter H. beim Rabenwirt in Pullach. Wir haben es sehr genossen, beim Blick ins Isartal über unsere gemeinsame Vergangenheit und unsere gegenseitige Wertschätzung zu sprechen.

Es ging Peter H. in seinen letzten Jahren gesundheitlich nicht mehr gut. Die Nachricht von seinem Tod hat mich sehr betroffen. Mit meiner Frau wollte ich sein Grab besuchen, habe es aber noch nicht geschafft. Er war lebenslang, ich bin jetzt gehbehindert. In meinen Gedanken und in meinem Herzen hat er einen festen Platz. Seine Familie schrieb in seiner Trauerkarte passend:

Einer, der sein Schicksal trug.
Einer, der seine Pflicht erfüllte.
Einer, der Liebe verschenkte.

Günter S.

Günter S.


Jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, wird mir erst bewusst, dass Peter H. und Günter S. denselben Arbeitsplatz bei UHER hatten. Sie müssen nacheinander bei der Firma beschäftigt gewesen sein.

Günter S. war der lustigere Typ von beiden. Auch er ein geschätzter und zuverlässiger Mitarbeiter, bei dem das Lachen aber nicht zu kurz kam. Besonders liebte er es, die Aussprüche unseres Chefs, eines sächsischen ehemaligen Feldwebels, nachzuahmen – und ich auch. Ich kann sie hier nicht alle aufzählen, aber ich habe sie aufgeschrieben.

Seine Dankbarkeit mir gegenüber war rührend. Er wurde nach vielen Jahren nicht müde, zu betonen, wie dankbar er mir für meine Einarbeitung gewesen sei, für mich selbstverständlich.

Günter S. beriet mich 1970 beim ersten Kauf einer „Ente“, und er übte mit mir mit Schaltung zu fahren; ich hatte kurz zuvor auf einem Automatikauto den Führerschein gemacht, durfte damit aber auch Schaltungswagen fahren.

Unser „Mekka“ war das Kloster Andechs, wo die Klosterbrauerei den süffigen dunklen Doppelbock ausschenkte.

Wir haben uns, nachdem wir beide nicht mehr bei UHER arbeiteten, einige Zeit fast aus den Augen verloren. 2014, ich war längst im Ruhestand, meldete sich Günter S. wieder bei mir. Es war, als hätten wir keine Pause eingelegt, und wir haben unzählige E-Mails gewechselt, oft mit Inhalt zum Lachen. Neues Ziel war für uns nun der Alte Wirt in Forstenried, wo wir uns ein, zwei Mal jährlich trafen. Beide ernsthafte Christen, hat uns der Humor auch dabei nicht verlassen. Als ich Günter S. 2021 endlich das Du anbot, nannte er mich fortan Don Anselmo, wofür ich mich mit Confrater Gunterus revanchierte.

Günter S. kämpfte fast lebenslang gegen den Krebs und verlor den Kampf am 16. Juli 2024. Er habe bis zum Schluss seinen Humor nicht verloren. Ich wünsche ihm einen Logenplatz im Himmel.

Mit seinen letzten Worten per WhatsApp an mich lasse ich ihn selbst zu Wort kommen:

So war’s. Wie schön es war, wissen wir leider erst heute.

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